“Mein liebstes Linuxbasiertes Betriebsystem”
Ubuntu ist nicht mehr mein "liebstes Linuxbasiertes Betriebsystem" (wie Sheldon in einer Folge der Serie Big Bang Theory mal sagt).
Seit ca. 1 1/2 Jahren bin Linuxnutzer, genauer gesagt von Ubuntu. Die anfänglichen Schwierigkeiten hatte ich schnell überwunden, da es mir durchaus Spaß macht mich mit den Interna meines Rechners und seines Betriebsystem auseinanderzusetzen. Mittlerweile hatte ich Ubuntu im Freundeskreis schon dreimal installiert und den einen oder anderen von den Vorzügen überzeugt und zumindest die Option, Linux auf dem nächsten Rechner mal auszuprobieren.
Schon seit einigen Monaten zeigte mir die Updateverwaltung eine "neue Version von Ubuntu steht zu Verfügung" an. Da ich aber bereits kritische Stimmen darüber gelesen hatte, habe ich diesen Schritt vorerst nicht gemacht.
Als aber vor kurzem bei einem Freund, die aktuelle Version installiert hatte, gefiel mir Unity eigentlich ganz gut. Das ich zuerst nach Einstelllungen suchen musste, war zwar nervig, aber solange es möglich ist sie zu finden bereitet es mir keine grossen Schwierigkeiten, mich auf ein anderes System umzugewöhnen.
In der ersten Woche arbeitete mich in das Konzept ein und empfand es als halbwegs angenehm, auch wenn ich hier und dort Einstellungen ändern musste. Doch nun kam der Sprung von Ubuntu 11.04 auf 11.10 und das Grauen nahm seinen Anfang. Unity wird definitv nicht mein System!
Ich schaue öfters "normalen", nicht technisch interessierten, Anwendern über die Schulter, da ich hin und wieder bei Computerproblemen helfe. Dort ist mir aufgefallen, dass dieser Anwenderkreis ein völlig anderes Nutzerverhalten hat als ich. Fenster existieren für sie so als solches nicht. Jede Anwendung wird im Vollbildmodus betrieben und in der Regel auch geschlossen, bevor eine neue Anwendung gestartet wird, denn die Taskleiste muss in ihren Augen "aufgeräumt" bleiben, genau wieder Desktop. Auf die Idee ein Fenster in der Größe zu verändern oder es zu verschieben (was ja beides im Vollbildmodus gar nicht geht), kommen diese Nutzer nicht. Das Menü einer Anwendung existiert für sie gar nicht und wird nur in den allergrößten Notfällen oder wenn es die "Computerhilfe" sagt, benutzt. Einstellungen verändern ist Zauberei, die dem "Fachmann" überlassen wird.
Die Ubuntu Entwickler haben sich daher konsequenterweise entschieden, diese Dinge zu entfernen. Das Anwendungsmenü ist weg und wurde das globale Menü, dass nur noch eingeblendet wird, wenn die Anwendung fokusiert ist und die Maus über dem oberen Panel ist. Ansonsten wurde fast alles andere aus diesem Panel verbannt.
Die Taskleiste ist völlig verschwunden und dem Launcher gewichen. Dort können die Anwendungen gestartet werden, aber nicht mehr beendet. Minimierte Anwendungen sind nun anhand eines kleinen weissen Striches im Anwendungssymbol zu erkennen.
Auch die Fensterbedienlemente sind verschwunden. Der Fensterrahmen ist einem virtuellen Rahmen gewichen und die Scrolleiste wird nur noch bei Bedarf eingeblendet und war das erste was ich deinstalliert hattte.
Es sieht also so aus, dass ich die falsche Distribution gewählt habe. Ubuntu richtet sich an Anwender mit kleinen Monitoren (Netbooks, Smartphones u.ä.) und an die, für die Fenster lästig sind und deren Desktop möglichst leer und aufgeräumt sein soll.
Allen anderen, die gerne Fenster verschieben, vergrößern oder Dateien zwischen Anwendungen per Drag&Drop hin und her ziehen wollen, gerne ihr Programm und System auf ihre Bedürfnisse konfigurien, macht Unity das Leben schwer.
Für mich ist sehr lästig, da ich ein funktionierendes System nun komplett neu aufsetzen muss. Das ist zwar Dank des /home Verzeichnis, leichter als mit windows. Aber trotzdem muss ich meine Apache, mysql, Perl und php Einstellungen suchen oder wieder neu einrichten. Die mysql Daten irgendwie sichern und hoffen, dass meine neue Distribution (vermutlich Debian) mit allen Programmdaten etwas anfangen kann.
Was mich als Linuxneuling wundert ist, dass sich viele von diesen Dingen nicht wirklich konfigurieren lassen. Der Rat, z.b. Lubuntu oder Xubuntu, bzw. die entsprechenden Metapakete zu installieren, habe ich natürlich ausprobiert. Die Taksleiste ist dann zwar wieder da, aber die Fensterrahmen sind nach wie vor verschwunden und auch die Wahl anderer Themes brachte keine Verbesserung.
Alles in allem, war das eine Überraschung für mich, aber da ich wie schon gesagt gerne ausprobiere, zwingt mich das dazu, mich mal ein wenig in der Linuxwelt umzusehen, was ja auch nicht schaden kann.
Mein Rat: Wer es gewohnt ist, mit Fenstern und Fensterinstanzen zu arbeiten und dies gerne tut, der sollte vorläufig die Finger von Unity lassen.
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Kommentare
Sonntag 27.November 2011: 18:47
http://linuxmint.com/
Mint Linux wäre noch eine Alternative.
Es setzt auf Ubuntu auf. Verwendet zwar Gnome 3, was ja auch in der Kritik ist, aber die haben es so angepasst, dass es Gnome 2 ähnlich daherkommt.
Ich werde wohl Mint demnächst auf mein Laptop drauf machen. Das Laptop soll einfach nur laufen.
Da will ich nicht rumfummeln müssen.
Aktuell ist noch Xubuntu mein Laptop installiert.
Der Lüfter wird nicht automatisch geregelt und läuft laut. Der Akku hält etwa nur noch die halbe Zeit.
Ich werde an Ubuntu vermissen, dass viele Sachen gerade unter Linux einfach funktionieren.
Bei Lubuntu oder Xubuntu findet man leider doch dies und das was nicht geht, was zuvor unter Ubuntu Gnome 2 prima klappte.
Kubuntu hatte ich auch kurz auf dem Laptop. Nur ging gleich mal das Shutdown per Menü nicht. Und wenn es schon so los geht, ... nee.
KDE ging bei mir bisher noch immer schnell von selbst kaputt; irgendein config property was plötzlich nicht mehr passte und manuell angepasst werden muss.
.. nee, nicht schon wieder.
http://www.opensuse.org hab ich nur in einer VM im Test. Wenn das Laptop ehh neu aufgesetzt wird, könnt man das (zwischenrein
) vielleicht mal antesten.
Bin aber noch unschlüssig.
Sonntag 27.November 2011: 21:30
SUSE ist aber auch KDE, oder?
und ich finde den knubbeligen Gnome Style schöner, aber das ist natürlich Geschmackssache.
Mint hatte auch schon in's Auge gefaßt. Aber irgendwie möchte ich Gnome wieder zurück und werd mir mal Debian anschauen. Ich hab nichts zu verlieren, mittlerweile kann ich keine CD/DVD mehr brennen. Von einem Tag auf den anderen.
Sonntag 27.November 2011: 23:24
openSuse ist KDE aber auch Gnome. Habs gerade nochmal die KDE Version in einer VirtualBox angeschaut und werde es lieber mal lassen.
Debian ist sicher ne gute Wahl. Nicht OpenSource Codecs und so muss man sich bei Bedarf extra ziehen.
Die haben im 6er noch Gnome 2. Die Frage nur, wie lange noch.
Aber die releasen nicht so oft, von daher ...
Mint wirds werden für mein Laptop. Hab am Freitag noch die 12 RC gezogen. Heute gibts das 12er Release ganz frisch.
Auf dem Desktop Rechner komme ich gerade gut mit Lubuntu zurecht. Kommt dem 2er Gnome sehr nahe. Nur diese netten Menü Leisten Gimmicks vom alten Ubuntu Desktop hats dort nicht.
Bis auf KDE hat mir kein anderes Desktop System auf Ubuntu ein Problem gemacht. Installieren, deinstallieren. Und ich hab auch die letzten Wochen einige probiert.
CD brennen: GnomeBaker
Montag 28.November 2011: 08:20
Jaja, ich hab hier mttlerweile auch alles möglich ausprobiert: XFCE, LXDE, awesome
Das brennen an sich geht (mit Brasero oder xfburn) aber die CD/DVD ist danach nicht lesbar (weder mit Linux noch mit Windows). Ich denke, das muss an irgendwelchen Systemkomponenten liegen.
Gnome3 scheint auch umstritten zu sein und eigentlich fand ich Unity gar nicht so schlecht, zumindest in der ersten Woche, als ich noch die 11.01 Version hatte. Aber da ließ sich noch viel konfigurieren.
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