Javascript ist Toll!

26. Mai 2006 - 16:48

Warum Agentur Bashing gut ist

Die Begriffe Webstandards und Barrierefreiheit dringen mittlerweile auch zu den größeren Agenturen durch und immer mehr große Seiten versuchen sich daran. Während die TAZ damit keine Probleme hatte, sieht es beim Focus sehr bescheiden aus.

Das haben sich die Autoren von Vorsprung durch Webstandards genauer angeschaut und dabei Unzulänglichkeiten im Code entdeckt, die jeden, der sich auch nur ein bisschen mit dem Thema auseinandersetzt, die Haare zu Berge stehen lässt. Daraus entwickelte sich eine Diskussion, in der immer mehr der Vorwurf der Selbstbeweihräucherung und des Bashing von Agenturen laut wurde.

Was eine geflenne!

Einerseits, gibt es gerade bei den großen Werbeagenturen eine sehr große Ignoranz gegenüber der technischen Umsetzung(-smöglichkeiten) ihrer Layouts in HTML. Ein Designer der sich für einen Künstler hält (und nicht selten in meinen Augen auch ist!), fühlt sich durch die Vorrausetzungen und Bedingungen die Webdesign bietet, eingeschränkt. Gleichzeitig können die Meisten ihre Vorstellung nur auf Papier, also einer Vorlage mit festen Größen, umsetzen. Zumindest ist dies auch der Eindruck den man bekommt, wenn man sich die Fragen, die z.b. in Beiträgen im selfhtml Forum gestellt werden, durchliest. Immer wieder scheitert der ambitionierte Webdesigner an den Vorgaben des Grafiker, weil dieser Pixelgenaue Umsetzungen will oder in festen Spalten und Reihen denkt.

Anderseits ist diese Arroganz gegenüber Webdesign nicht verwunderlich. Ein guter Grafiker in einer Werbeagentur ist eine hochbezahlte Person, während derjenige, der für die Umsetzung in HTML und die Pflege der Seite zuständig ist, nicht selten eine Bezahlung eines besseren Hilfsarbeiters hat. Dies ist keine Kritik an Grafikdesigner, sondern soll lediglich den Stellenwert, den teilweise, die technische Umsetzung eines Grafiklayout hat, zeigen und erklär?en.

Wir reden hier also nicht auf Augenhöhe!

Das die Ausbildung von Webdesignern (wie auch Jeena in seinem Artikel andeutet) nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit ist, ist eine andere Sache. Die sicher auch mit den teilweise extrem schnellen Entwicklungen im Netz zu tun hat.

Was soll es also bringen Agenturen, die Verantwortlich sind für z.b. Focus, ein gutes Beispiel zu geben?
Die bekommen ihr, nicht zu knappes Salär, das Design sieht genauso aus, wie es sich der entsprechende Layouter auf dem Papier ausgedacht hat und die Seiten funktionieren. Der Hilfsarbeiter der evtl. nur einen Crashkurs in HTML gemacht (Volkshochschule?) hat, zittert um jeden Pixel, den er irgendwo ändern muss und hat Bammel vor jedem neuen Browser, den er gar nicht kannte.

Und ich finde, man kann hier ruhig klar und deutlich sagen, dass die technische Umsetzung von solchen Seiten oft Scheiße ist. Und wenn das polemisch rüberkommt - sehr gut! Da sind Leute im hintergrund, die sich für wichtig halten, weil sie Unsummen von Geld bekommen für etwas wovon sie keine Ahnung haben. Wenn Umsetzung ihrer Vorstellung an Leute delegiert werden, die mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Wozu also Mitleid? Oder Rücksicht?

Und hier ein kleiner Einschub: Gerade so Leute, wie z.b. Jeena Paradies müßten das Wissen. Vor wenigen Jahren noch bei fast Null in Sachen Webdesign, hat er sich über die Jahre eine gehörige Portion Fachwissen angelesen. Doch in den Agenturen sitzen so Leute offensichtlich nicht, diese stehen auf einem Niveau, dass sie sich irgendwo am Rande angeeignet haben oder sind darauf angewiesen, welchen Code Ihnen ihr Macromedia Tool oder GoLive auswirft.

Die Grafiker aus den Werbeagenturen haben keine Ahnung von Webdesign und wir wissen das. Jeder, der sich ernsthaft mit Webdesign auseinandersetzt, macht diese Erfahrung immer wieder. Jeder kennt den Grafiklayouter, für den alle wichtigen Begriffe rund um Webdesign Böhmische Dörfer sind, der 1:1 seinen unzulänglichen Vorschlag (den er dir als Photoshop Grafik präsentiert) umgesetzt haben will.

Der Punkt ist meiner Meinung nach, dass Werbeagentur und Internetdesign, nicht viel miteinander zu tun haben. Es gibt sicher Überschneidungen und Punkte wo die einen und die anderen besser sind. Aber Internetseiten haben nicht primär die Aufgabe zu werben. Sie sollen entweder informieren oder sie haben einen Nutzen. Der Kunde (einer Webseite) ist kein Couch Potatoe der vorm Monitor sitzt und sich berieseln lassen möchte, sondern er greift aktiv in das Dargebotene ein, er sucht nach etwas, er will etwas benutzen und sich informieren und sein Wissen erweitern, oder gar direkt was kaufen und nicht an jeder Ecke ein ihn ablenkendes Werbebildchen oder Flashanimation. Deshalb sind Werbeagentur. hier fehl am Platze.

Und deshalb sind solche solche Artikel die aufzeigen wo Mist gebaut wird, wichtig und notwendig.

Und im Ernst, schau dir mal den Code von Focus Online an!
Schon allein die Tatsache, dass der Code im Quirks Modus daherkommt zeigt, dass dort keiner sich auch nur einen Hauch von Gedanken gemacht hat. Was soll es also bringen, mühevoll die Seite mit richtigen CSS und HTML zu layouten?

Sicher geht das. Aber es wird dabei immer Schwierigkeiten geben, wenn sich das grundsätzliche Layout nicht an den Möglichkeiten, die ein CSS Design bietet, orientiert. D.h. es kann nur den Weg geben, diese Seiten auseinander zu pflücken und so schlecht darstellen, wie sie einfach sind. Dabei ist es belanglos, ob es nur der HTML Code ist, denn das Problem ist nicht der Code, sondern das Webdesignern und Grafiklayouter oft nicht auf einem (Entscheidungs) Niveau sind. Was dabei raus kommt wenn sie es sind zeigt eben z.b. die TAZ Seite.

Deshalb will ich mehr von solchem Bashing lesen!

Ich will mir nicht dauernd anhören müssen "die bei .... machen es doch auch so". Der Focus wird seine Seite nicht so schnell ändern, aber wenigstens brauche ich nicht x-mal erläutern, warum das keine Beispielhafte Seite ist. Ich will mit Grafikern zusammen arbeiten können und nicht der Erfüllungsgehilfe sein. Nur so können aus guten Entwürfen, gut Internetseiten werden. Aber dazu muss die eine Seite sich bewegen können und ihren Horizont erweitern. Das ich keine Ahnung von Layout habe, weiß ich, deshalb bin ich darauf angewiesen, daß es jemand anderes macht. Und umgekehrt ist die Situation die Gleiche, der Grafiker hat keine Ahnung von Internettechniken und ist auf dieses Fachwissen angewiesen.

Meiner Meinung nach geht es nicht darum irgendwelche Buzzwords, die wir immer wieder irgendwo lesen (Standard, Validität, Tabellenlayout, Divsuppe o.ä.), sondern einzig und allein um die Frage, wie eine Seite entwickelt wurde, welche Personen stehen dahinter und wer hat welche Entscheidungsbefugnisse. Und solange dort die schwächste Stelle die der technischen Umsetzung ist, solange wird es technisch schlechte Seiten geben.

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  • 3. August 2008 -- aufpassen bei 1&1 (7)

    Schon wieder etwas, was nicht mit Javascript zu tun hat. Aber ein Blog bietet sich ja auch an, um Frust über Firmen loszuwerden. Diesmal ist mein Problem 1&1 bei denen ich seit 05/2005 DSL Kunde bin....

Comments (5)
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5 Kommentare

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1. Kommentar von: Theo
24. Juni 2006: 09:54

Besser spät als nie 😉

100% Zustimmung! Schön zu wissen, das andere auch diese unschönen Erfahrungen machen mussten… Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben & bin guter Dinge, das sich in den nächsten Jahren daran etwas ändert und sich qualitätsorientierte, barrierearme Umsetzung durchsetzen wird.

Gruß
Theo

2. Kommentar von: Oliver
29. Oktober 2006: 15:31

ha,… klasse Artikel.

beim lesen dieses Artikels bekomm ich das unheimliche gefühl mich hätte jemand beim grübeln über dieses thema angezapft…
oder anders gesagt…verdammt, da spricht jemand ausm herzen…. aber leider sind die verantwortlichen zu ignorant oder arrogant um das mal zu ändern….

1A…kannich nur sagen. Absolut realtitätsnah.

irgendwann in meinem leben möchte ich mal an einem project arbeiten, dessen Team nur aus solchen leuten besteht, die diese sache genauso sehen… ob man da aber nen modernen grafiker findet 🙂

3. Kommentar von: Afra
20. Januar 2007: 06:16

Hallo Struppi!

Ich kann Dir nur teilweise zustimmen. Im Grunde hast Du aber recht. Das Problem stellt sich z.B. bei meinem Arbeitgeber (und dieser zählt zu den TOP 10 Multimediaagenturen) dadurch, dass mein Fachwissen, das weit über das eines Volkshochschulkursabsolventen (was ein Wort) hinaus geht, zwar sehr gefragt und auch angenommen wird. Pixellayouts sind aber nun einmal gerade bei unseren Kunden gefragt und in den Marketingabteilungen des Kunden sitzen sehr oft Menschen die aus dem printbereich kommen und eine fixe Vorstellung von Layouts haben und dies dann auch umgesetzt haben möchten. Meinen privaten Kunden kann ich das – wie verwunderlich – beibringen. Unsere PM reden sich regelmäßig den Mund fusselig. Man darf die schuld von oftmals nicht zugänglichem Webinhalt nicht immer bei den Agenturen suchen. Beim Focus wäre dies aber sicherlich auch anders gegangen.

Schöne Grüße Afra

4. Kommentar von: barattt
21. März 2007: 17:21

100% Zustimmung!

5. Kommentar von: Patrick Andrieu
13. April 2007: 23:06

Hallo Struppi!

Hmm, habe vpr 3 Monaten für eine Bekannte eine Webseitenanalyse erstellt, Schwerpunkt Validität und Barriere“armut“. Die Dame, die bis dahin wenig Ahnung vom WWW hatte, war hellauf begeistert und hat meine Mail an die Macher ihrer Webseite (ja, eine Agentur) weitergeleitet. Heute bekam ich eine Mail von ihr, dass die Agentur ziemlich überheblich abgesagt hatte. Tja, kann man etwas anders von Pseudo-Designern erwarten, die Einrückungen mit   erstellen? 😉

Patrick (Andrieu)
P.S.: die Eiboxen habe ich nicht weiter entwickelt, dafür aber mein unmögliches GB. Kannst ja mal schauen!

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